Das kleine Bild mit dem durchdringenden Blick ist ein Link in die Welt meiner Bilder. Aber wer weiß das schon. Nur das Wort hilft zu verstehen. Ja das Wort, Wortart, es geht um Wortart, Textkunst oder Kunsttext. Text, den jeder lesen mag, jeder lesen muss, weil er so unglaublich wichtig ist. Natürlich erzähle ich keinen Unsinn. Ich rede ja auch nicht, nein ich schreibe. Merkt denn das keiner. Ich schreibe die Geschichte von den Wortbergen, mutierte Wortart. Weit hinten, hinter den Wortbergen, fern der Länder Vokalien und Konsonantima leben die Blindtexte. Abgeschieden wohnen Sie im Buchstabenblock an der Küste des Semantik, eines großen Sprachozeans. Ein kleines Bächlein namens Duden fließt durch ihren Ort und versorgt sie mit den nötigen Regelialien. Es ist ein paradiesmatisches Land, in dem einem gebratene Satzteile in den Mund fliegen. Nicht einmal von der allmächtigen Interpunktion werden die Blindtexte beherrscht - ein geradezu unorthographisches Leben. Eines Tages aber beschloß eine kleine Zeile Blindtext, ihr Name war Lorem Ipsum, hinaus zu gehen in die weite Grammatik. Der große Oxmox riet ihr davon ab, da es dort wimmele von bösen Kommata, wilden Fragezeichen und hinterhältigen Semikoli, doch das Blindtextchen ließ sich nicht beirren.

Überall dieselbe alte Leier. Das Layout ist fertig, der Text lässt auf sich warten. Damit das Layout nun nicht nackt im Raume steht und sich klein und leer vorkommt, springe ich ein: der Blindtext. Genau zu diesem Zwecke erschaffen, immer im Schatten meines großen Bruders »Lorem Ipsum«, freue ich mich jedes Mal, wenn Sie ein paar Zeilen lesen. Denn esse est percipi - Sein ist wahrgenommen werden. Und weil Sie nun schon die Güte haben, mich ein paar weitere Sätze lang zu begleiten, möchte ich diese Gelegenheit nutzen, Ihnen nicht nur als Lückenfüller zu dienen, sondern auf etwas hinzuweisen, das es ebenso verdient wahrgenommen zu werden: Webstandards nämlich.

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Das Blindtextchen packte seine sieben Versalien, schob sich sein Initial in den Gürtel und machte sich auf den Weg. Als es die ersten Hügel des Kursivgebirges erklommen hatte, warf es einen letzten Blick zurück auf die Skyline seiner Heimatstadt Buchstabrück, die Headline von Alphabetdorf und die Subline seiner eigenen Straße, der Zeilengasse. Wehmütig lief ihm eine rethorische Frage über die Wange, dann setzte es seinen Weg fort. Unterwegs traf es eine Copy. Die Copy warnte das Blindtextchen, da, wo sie herkäme wäre sie zigmal umgeschrieben worden und alles, was von ihrem Ursprung noch übrig wäre, sei das Wort "und" und das Blindtextchen solle umkehren und wieder in sein eigenes, sicheres Land zurückkehren. Doch alles Gutzureden konnte es nicht überzeugen und so dauerte es nicht lange, bis ihm ein paar heimtückische Werbetexter auflauerten, es mit Longe und Parole betrunken machten und es dann in ihre Agentur schleppten, wo sie es für ihre Projekte wieder und wieder mißbrauchten. Und wenn es nicht umgeschrieben wurde, dann benutzen Sie es immernoch

Und trotzdem...

Und trotzdem fotografiere ich, male, verfremde, schüttel und bearbeite meine Bilder, bis sie Abbild dieses besonderen Seelenmomentes oder des mich umgebenden Raumes, so wie ich ihn empfunden habe, geworden sind.

Therapie und Selbstzweck...

Es ist Therapie und Selbstzweck, das Zeigen reine Geltungssucht. Es ist aber auch verknüpft mit der Hoffnung, dem einen oder anderen vielleicht doch ein „Donnerwetter, wie geil ist das denn?” zu entlocken oder vielleicht irgendwo in ihm einfach nur ein gutes, wohltuendes Gefühl zu erzeugen.